An alle da draußen!

Sonntag, 27.07.2014

An alle da draußen, die das hier lesen!

Ich habe heute in Stuarts Point, New South Wales etwas gefunden. Etwas, von dem ich nicht ganz weiß, was es ist. Es wirkt wie eine Art Portfolio, in dem mehrere, offenbar aus einem Buch ausgerissene Seiten gesammelt sind. Sie sind von Hand beschrieben. Ich würde das Fundstück gern dem Besitzer zurückgeben und veröffentliche hier den Inhalt der „Notizen“. Vielleicht kann man dadurch in irgendeiner Weise den Kontakt zum Verfasser herstellen – sofern er noch lebt…..

Inhalt der ersten Seite:

„Tag 1. Heute sind wir in Stuarts Point angekommen. Hier werden wir also für die nächsten Monate arbeiten. Das Dorf wirkt sehr sympathisch. 300 Seelen leben hier. Es gibt ein Geschäft mit einer Zapfsäule für Diesel und einer Zapfsäule für Benzin davor. Drinnen ist alles erhältlich, was man irgendwie brauchen könnte, vom Dosenöffner bis zum Salatkopf, vom Schnürsenkel bis zur Zahnpaste, von der Fliegenklatsche bis zum Schokoriegel und vom Tequila bis zum Partygeschirr. Mehr gibt es im ganzen Dorf auch nicht. Bis auf den wunderbaren Fluss, den Nambucca River. Es scheint, als wäre der Fluss eine der Hauptnahrungsquellen für die Einheimischen; Sie angeln jeden Tag. Wir nicht, denn wir befürchten, dadurch zu Angel-Sachsen zu werden.“

Inhalt der nächsten Seite:

„Tag 2. Wir haben Stuarts Point genauer erkundet. Es gibt doch noch etwas außer dem Laden: einen Campingplatz. Zumindest so ähnlich. Es gibt 112 „Stellplätze“, die ohne Trennung nebeneinander gereiht sind. Natürlich nicht in einer Linie, sondern in einem kleinen Straßensystem. Jeder Stellplatz sieht im Grunde gleich aus. Etwas zertretener Rasen, auf dem in der Mitte eine etwa 20m² große Fläche mit Beton ausgegossen wurde. Als Abdeckung dient eine grüne Netzplane. Zwischen vier aneinander liegenden Grundstücken steht eine Art Pfosten, etwa einen Meter hoch, mit vier Wasserhähnen, einem Abfluss im Boden und vier wettergeschützten Steckdosen. Morgen werden wir ein Grundstück mieten. Die Besuchertoilette ist gut. Alles scheint einen hohen Standard zu haben.“

Inhalt der dritten Seite:
„Tag 3. Wir haben Stellplatz 28. Der Code für die Tür zu Toiletten und Duschen lautet C13. Der Eindruck des hohen Standards bleibt ungetrübt. Stellplatz 28 ist etwa 13 Meter vom idyllischen Fluss entfernt, der mit bekannten fließenden Gewässern der Heimat nicht zu vergleichen ist. Das Flussufer bilden zweimeterbreite Strandabschnitte, jeden Morgen wälzt sich der scheinbar undurchdringbare Nebel über den Fluss. Willkommen in Stuarts Point!“

Inhalt der vierten Seite:

„Tag 4. Der letzte freie Tag. Morgen geht es los. Wir sind ein bisschen aufgeregt, weil wir nicht wissen, was uns erwartet. Aber so schlimm kann es ja gar nicht sein - schöne Landschaft und gutes, sommerliches Wetter... Da sieht doch alles nur noch halb so wild aus."

Inhalt der fünften Seite:

"Tag 9. Ich habe lange nicht mehr geschrieben. Zu wenige Gelegenheiten gab es. Alles kam anders, als wir es erwartet haben. Als wir anfingen, zu arbeiten, ahnten wir noch nichts Schlimmes. Seltsame grüne Früchte sollen die Männer pflücken, die Weiber verpacken sie. Anschließend kommen riesige Transportmaschinen und bringen die Früchte an einen anderen Ort. Wir wissen nicht, wohin. Das Früchtepflücken ist unerwartet anstrengend, das Verpacken sehr eintönig. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang schuften wir - und die Tage werden länger. Uns beschleicht das Gefühl, dass hier nicht alles so idyllisch ist, wie es den Anschein hat. Irgendwas ist da im Busch. Doch was?"

Inhalt der nächsten Seite:

"Tag 13. Immer schlimmer wird es. Wir und unsere Mitarbeitenden (sollten wir von Leidensgenossen schreiben?) wurden in einen Tunnel geführt. Der Tunnel ist dunkel, nass und kalt, an beiden Rändern stehen große Bäume mit den ominösen grünen Früchten daran. Die Männer-Gruppe (die "Pflücker") werden von Soldaten angetrieben und müssen immer schneller pflücken, während die Kolonne mit Weib und Kind hinter den Pflückern herläuft und still die Früchte exportierfertig macht. Langsame Pflücker werden mit knallenden Peitschenhieben angetrieben. Jemand muss etwas unternehmen!"

Inhalt der nächsten Seite:

"Tag 27. Immer tiefer werden wir in den Früchtetunnel geleitet. Wir fangen an, uns zu fragen, ob das vielleicht eine Sackgasse ist. Man möchte sich nicht vorstellen, was dann am Ende des Tunnels mit uns geschehen würde, wenn wir plötzlich auf dem Rückweg nicht mehr gebraucht werden. Manche sind drauf und dran, den Verstand zu verlieren. Zu eintönig ist die Arbeit, zu hart die Methoden. Frische Luft fehlt uns wie Schlaf. Man hat begonnen, während der Arbeit mit sich selbst zu sprechen, um sich nicht so hilflos zu fühlen, Lieder zu summen, die einem etwas Hoffnung schenken sollen. Doch werden die Gespräche von Tag zu Tag leiser, die Lieder von Stunde zu Stunde dunkler. Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor... "

Inhalt der nächsten Seite:

"Tag 42. Gern würde ich öfter solche Einträge verfassen, das Schreiben gibt mir Kraft. Doch fehlt die Zeit. Wenn man nicht arbeitet, tut man gut daran, so viel wie möglich zu schlafen. Essen ist rar geworden, wenn es welches gibt, dann sind es diese grünen Früchte von den Bäumen. Salz zum Würzen ist ein Luxusgut, es hat sich unter den Arbeitenden eine Art Salzschwarzmarkt entwickelt. Die wertvollsten Tauschwaren sind Stifte, Papier oder Wasser. Vor etwa einer Woche hatten wir das erste Todesopfer zu beklagen. Ein Mann hat den Verstand verloren und sich kopfüber von einem Baum gestürzt. Eine Frau wurde zurückgelassen, als sie dabei erwischt wurde, wie sie versucht hat, eine Grünfrucht nicht zu verpacken, sondern zu essen. Uns verlässt die Hoffnung, je wieder Tageslicht zu sehen. Man muss jetzt versuchen, sich damit abzufinden, dass der Rest des Lebens in diesem Tunnel stattfinden wird."

Inhalt der nächsten Seite:

"Tag 53. Dieser Eintrag wird voraussichtlich mein letzter sein. Ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalte. Unsere Körper sind schwach und gebrechlich geworden. Die Augenfarbe hat sich inzwischen bei allen zu grün verfärbt. Die Träume werden von der Grünfrucht beherrscht, was den Schlaf seiner Regenerationsfunktion beraubt. In einer Sache sind sich hier aller einig: Wenn der Augenblick kommt, in dem wir dem Erschöpfungstod entgegentreten müssen - dann werden wir das mit offenen Armen tun."

Inhalt der nächsten Seite:

"Tag 55: Licht! Ich kann es nicht fassen! Man sieht das Licht noch nicht, aber man kann es spüren. Die Umgebung verändert sich. Das Tageslicht, das Ende des Tunnels, es kann nun kaum mehr als fünf Tagesmärsche entfernt sein! Gerade als alle Hoffnung verloren war, ist auf einmal die Erlösung zum Greifen nahe! Wenn wir nur noch diese fünf Tage durchhalten, dann ist es geschafft, überstanden. Wir werden leben. Wir können hier rauskommen."

Inhalt der letzten Seite:

"Tag 59: Heute ist etwas geschehen. Ein Wendepunkt. Ich denke, von diesem Ereignis wird man noch in vielen Jahren sprechen. Niemand hätte das erwartet. Wie aus dem Nichts sind heute vormittag aus den Wänden....."

An dieser Stelle sind die restlichen Worte des letzten Eintrags nicht mehr erkennbar. Eine rote Flüssigkeit hat die Tinte verwischt, sodass man beim besten Willen nicht mehr entziffern kann, was der letzte Eintrag besagt.

Falls jemand sachliche Hinweise hat, die mir dabei helfen können, den Verfasser zu finden, wäre ich dafür sehr dankbar!

Anonyme Hinweise nehme ich unter folgender Emailadresse auch gern an:

wir-haben-in-dem-text-vielleicht-ein-bisschen-uebertrieben@hanna-und-eric.de

 

Danke und bis bald!

 

Brutus als Wäscheständer auf unserem Grundstück, Camping Site 28! Post von Nele: Schmuck für... ... Brutus! Und es hat geholfen. Weltmeister. Schlaaaaand Erkundung der unmittelbaren Schlafplatzumgebung Am wunderhübschen Nambucca-River... ... kann man entlanggehen, wobei man schon die Brücke sieht... ... die einen über den Fluss führt... ... wobei man so manch gar lust'ges Tier sieht... ... und letztendlich mach zehn Minuten Fußmarscham Strand herauskommt. Auf dem Rückweg geht's dann wieder über den Fluss. :-) Dann gibt es noch ein bisschen Abendbrot ... bevor man mitten in der Nacht wieder aufsteht. Warum? Darum! Schlaaaaaaaaaand Dann ab auf Arbeit! Die Steuerelemente des Cherry Pickers! :D Und das Auto mit dem Korb, den es zu füllen gilt. AL heißt Erics Auto auf Arbeit. Dann gibt es noch Rod, Lance und ein paar andere, die mir jetzt nicht einfallen. Vesper! Das ist bald an jedem Finger zu finden... Maaamaaa :( Der Nachbar bringt seinen Hund mit auf Arbeit. Woofie heißt er. :-)  So stehen die Kisten dann im großen Supermarkt zum Verkauf. Unten rechts aufm Etikett steht... Packed by Hanna! Die gesammelte Packing-Mannschaft Für die wichtigste Inspektion der Saison durch Woolworths, dem Riesen-Supermarkt-Kunden, wird samstags extra viel geschrubbt... ...und geputzt! Etwa 7000-10000 solcher Dinger pflückt der Eric täglich. Auch wenn man in den Bäumen auch andere Sachen entdeckt ;-) Am Abend im Caravan Park wird dann mit den Mitarbeitern entspannt.

Wie ich den Rudi-Völler-Doppel-Gänger-Wett-Be-Wer-B gewann

Donnerstag, 12.06.2014

Rund 500 Prozent aller Russen sind auch Russen!

Wolf Schneider ist der Ansicht, dass ein Text, der mit dem Ziel, gelesen zu werden, geschrieben wird, immer, also wirklich immer, mit, einer, feurigen, Sache, starten, sollte. Eine Sache, die den Leser förmlich dazu zwingt, weiter zu lesen – weil er so darauf brennt! Ob er sich das so vorgestellt hat? Bei meinem zweiten Satz jedenfalls hätte er sich wahrscheinlich ob der Syntax die Haare gerauft und mir speichelsprühend verlautbart, er nähme diesen Satz nicht an. Oder war das der Ranicki? Ach nee, der ist ja Funktionär bei Rasenballsport Leipzig. Wie dem auch immer.

Gern würden wir in diesem Blogeintrag zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: ein Lebenszeichen von uns geben und unsere Situation verbessern.

Das Lebenszeichen habt ihr nun. Jetzt ist es an euch, unsere Situation zu verbessern. Folgend also die Liste der Dinge, die wir benötigen. Wir warten auf Pakete von euch!

• eine neue Frontscheibe mit Dichtung

• neue Milch – bitte nur H-Milch, da wir ja keinen… Ach… Wobei…

• einen Kühlschrank

• DVDs, CDs, PC-Spiele - bitte keine Rohlinge und, um Gottes Willen, nicht Midtown Madness 2!

• ein mobiles TV-Endgerät, am besten strombetrieben (mit Hamsterlaufrad geht auch) – Kanäle mit WM-Übertragungen sollten inklusive sein! Am besten schon drauf. Installiert. Heißt das so?

• ggf. einen Hamster

• Internet! WLAN! Hierzu empfehlen wir, einfach zu Hause oder in einem stabilen Netzwerk mit einer offenen Tupperdose ein paar freie (!) Bytes einzufangen. Bitte keine zu langsamen. Achtung: Nicht in den Kühlschrank stellen! Die mit Gummiband gesicherte Tupperdose dann einfach wieder an uns schicken.

• Geld – bitte nicht unter 2000€, denn… Sein wir mal ehrlich. Derart kleine Summen bringen niemandem was. Uns gleich gar nicht, ein Cheeseburger kostet hier 2.75 AUD – in Worten: Zwei Dollar Fümnsiptzsch!

• für alle Palliativdenkenden: Irgendeine Creme gegen Blasen und Schürfwunden

• für alle Kurativdenkenden: Arbeitshandschuhe!

Wir bitten euch, die Pakete schnellstmöglich abzuschicken. Wir müssen ja sicher nicht den Expressversand gesondert erwähnen?!

Schon mal vielen Dank und ganz liebe Grüße

Hanna und Eric

PS: Alle Pakete, die auch nur spuren- oder sporenweise etwas mit Avocado am Hut haben, werden umgehend zurückgeschickt! Wir bitten um Rücksichtnahme.

PPS: Der nächste Eintrag kommt bestimmt. Vielleicht mit etwas mehr Otto. Äh, Ernst. Hähä.

 

Im Frühtau zu Berge...

Freitag, 23.05.2014

Wie viele verschiedene Lieder aus allen Kulturströmungen könnt ihr in dem ganzen folgenden Text zählen? Schreibt die Anzahl mit in euren Kommentar, den ihr ja hoffentlich alle hier lasst!

 

...wir geh'n, fallera. Na ja. Eher im Frühtau auf'm Parkplatz wir gähnen, fallera. Und "im Frühtau" beschreibt so den Zeitpunkt um acht Uhr herum. Plus minus drei Stunden. Eher plus. Parkplätze von diversen Shopping Centres haben sich bei uns ohnehin schon als präferierter Schlafplatz etabliert. Die Sonne durchflutet Brutus und küsst uns sanft mit ihren Strahlen aus dem Land der Träume. Blinzelnd erwachen wir. Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein! Die Hanna setzt sich auf, während der Eric quängelt: "Nur noch fünf Minuten..." - "Nüscht is", antwortet Hanna. "Der Berg ruft!"

Also raus aus den Federn. Sind so müde, doch die Cornflakes sind perfekt. Weiserweise haben wir Brutus am Vorabend ja schon vor einem McDonalds gebettet. Gut für uns: McDonaldse und Shoppingcenter gehen in Australien Hand in Hand. Erste Anlaufstelle ist also auch eben jenes Fastfoodrestaurant. Die goldene Möwe strahlt wegweisend wie der ein oder andere Stern in der Vergangenheit über unseren Häuptern, als wir die Pforte zur Fettleibigkeit durchschreiten. In diese Gleichung, an deren Ergebnis die Fettleibigkeit steht, ist jedoch ein ebenso erwähnenswerter wie unumstößlicher Parameter mit dem Wert "Reichtum" abgeleitet, äh, integriert. Da sich unser Reichtum auf kaum mehr als Pi Reichtumseinheiten beläuft, gestaltet sich unser Besuch der Speiseinrichtung als stark überdurchschnittlich gesund: auf direktem Wege vorbei an Muffins, Bananenkuchen, okinol säggsscher Eiorschegge und Black Forest Cherry Cake (für alle Langsamdenker: Schwarzwälder Kirschtorte. No worries), in die bathrooms (Hanna bei Female, Eric bei Male) und Zähneputzen. Danach auf direktem Wege raus aus dem Bad, vorbei an Muffins, Bananenkuchen, okinol säggsscher Eiorschegge und Black Forest Cherry Cake und wieder zu Brutus, der uns schon schwanzwedelnd erwartet und freudig bellt. Oder so.

Bereit für die morgendliche Brutus-Anekdote (denn uns fällt wirklich fast täglich was Neues auf) sitzen wir also gespannt im Auto und warten begierig auf die Auflösung: Was ist heute kaputt? Nichts geschieht. "Vielleicht müssen wir erst was machen. Ein Rätsel lösen oder so. Oder den Nippel durch die Lasche ziehen", sagt Eric. Hanna, wie immer nur mit einem Ohr zuhörend, antwortet darauf passenderweise: "Guck mal, war das gestern auch schon?"

Nein. Es war nicht.

Aus dem kleinen Steinschlag, der schon vor dem Brutuskauf in der Windschutzscheibe war, hat sich über Nacht ein Riss entwickelt. Beides gehört in Australien aber sozusagen zum "guten Ton". Neulich, neulich, neulich - ja was? Es ist gar nicht lange her, da liefen wir auf der Straße entlang und hörten zwei Australier, wie sie sich unterhielten. Der eine sagte zum anderen: "Guck ma, das rote Auto dort, das hat ne heile Windschutzscheibe." Der andere darauf zum einen: "Scheiß Touris." (sinngem. Übers. Anm. d. Red.) Nach Erics etwa dreiminütiger, fachmännischer Inspektion, die nach viel aussieht und nichts ist, konstatieren wir also: Mist. Eric zählt anschließend seiner Gefährtin die harten Fakten auf: So ne Scheibe kostet in Deutschland schon so 600, hier dann also bestimmt noch mehr. Austauschen lassen müssen wir sie auf jeden Fall, sonst kracht sie uns in 19530000 Einzelteilen bei 50 Knoten in einem Schlagloch in die Backen und das ist gefährlich. Hanna, wie immer beeindruckt von Erics breitgefächertem Wissen, möchte Brutus nun am liebsten schieben. Schieben lassen. Und selbst nebenherlaufen. Oder so.

Wir fahren also nicht gleich aus der Stadt (oder aus dem Dorf) heraus wie sonst, sondern halten vorher noch einmal kurz bei einem Scheibenjuri an. Carglass in Down Under. Oder so. Der Scheibenjuri erklärt uns jedenfalls, dass das in Australien normal ist und dass Autoscheiben schon seit dem Turmbau zu Babel so konstruiert werden, dass sie nicht nach innen einbrechen können, wenn man nicht gerade kontinuierlich mit einem Baseballschläger von außen darauf einballert

Eric 0:1 Scheibenjuri.

Denkt man nun, dem Eric wäre sein wiedermal umsonst angebrachtes Halb-, äh, Viertelwissen peinlich, dann lasse man sich gesagt sein: Da gewöhnt man sich dran, irgendwann ist es nicht mehr peinlich. Wir fragen den Scheibenjuri, ob wir die Scheibe austauschen lassen sollten. Die erwartete Antwort bleibt aus: "Nee", sagt er. "Lasst ma drin den Schnodda, und wenn das schlimma wird, dann kommta mitn Kudda nochema zu mir gepoddelt. Ahoi!" (sinngem. Übers. Anm. d. Red.)

Eric 0:2 Scheibenjuri. Es riecht nach Auswärtssieg.

Er sagt uns also, dass wir erst mal schauen sollen, ob der Riss wächst. Das Schlimmste was passieren kann ist, dass es an der Frontscheibe halt ein bisschen undicht ist. An dieser Stelle sei vorweg genommen, dass wir tags darauf feststellen müssen, dass die monsunartigen Ströme, die es in der Regenzeit im Norden Australiens vom Himmel gießt, wohl nichts anderes im Sinn haben, als die Mitte unserer Frontscheibe zu suchen (und zu finden), sich den Weg nach rechts zur A-Säule zu bahnen, an ebenjener herunterzulaufen und im Fußraum eine Art Loveparade für Wassertropfen abzuhalten - nur ohne Panik. Kam nur bisschen in Schwingung, als der erste Fuß am Morgen knöcheltief dem Festival beiwohnte. Aber da kam die Hanna auch in Schwingung. "OR IIIH", raf sie. Sollte der Riss größer werden (das wird er, Anm. d. Red.), sollen wir noch mal vorbei kommen. Eine neue Scheibe würde dann um die 250$ kosten.

Eric 0:3 Scheibenjuri. Wie gesagt, man gewöhnt sich dran.

Erleichtert, dass es wohl offenbar doch keine absolute Hiobsbotschaft war, machen wir uns nun zu viert auf den Weg. Die Hanna, der Eric, der Brutus und der Riss. Und wohin fahr'mer? Aus der Fata Morgana, durch jedes Panorama, ins Nirvana und davor zum Dalai Lama. Beim Dalai Lama muss ich - warum auch immer - übrigens auch immer an Mahatma Ghandi denken, wobei mir wiederum der lustige Spruch einfällt, den ich natürlich mit euch teilen möchte: Mahatma Glück, mahatma Pech, mahatma Ghandi.

Wir sind also auf dem Weg in ein neues Jahrtausend. Doch dieser Weg wird kein leichter sein, haben wir doch noch nicht einmal 13 Jahre hinter uns. Und weil man klein anfangen soll, konzentrieren wir uns nicht auf die noch ausstehenden 987 Jahre, sondern auf unseren Tag. Was steht an? Erst eine Bootstour von Cairns zum Great Barrier Reef, dort dann zwei Schnorchelgänge und sogar ein halbstündiger Tauchgang. Ja, so richtig mit Sauerstoffflasche, Gewichten, Flossen, Brille und Neoprenanzug. Wir sahen also Fische, Schildkröten, Annemonen, Korallen und noch mehr Fische. Dazu hatten wir uns eine Einweg-Unterwasserkamera geleistet, deren Bilder allerdings erst noch entwickelt werden müssen. Wir gingen mit hohen Erwartungen an diesen Tauchgang, denn man munkelt ja: Auf einem Korallenriff liegt ein versunkenes Schiff mit Diamanten an Bord an einem gottverlassenen Ort. Uns wurde sehr schnell klar, dass wir dieses Schiff hier nicht finden würden, nahmen doch die unglaubliche Flora und die noch unglaublichere Fauna auf dem Riff dem Wort "gottverlassen" jeglichen Spielraum. Es war ein unvergleichbares Erlebnis. Man fühlte sich wie in einer anderen Welt. Die Stille des Ozeans, nur sein eigenes Atmen hört und spürt man, die Luftblasen blubbern bei der Exspiration um den eigenen Kopf herum in Richtung Wasseroberfläche, die zehn Meter über uns schimmert und das Sonnenlicht bricht. Klingt das nicht gut? War es auch! Sollte JEDER einmal gemacht haben - und das meinen wir, wie wir es sagen!

Abfahrt aus Cairns mit einem guten Zeichen :) Unser Cruiser: Ocean Freedom Verwuschelt nach dem Tauchen Türkis, blau, türkis, blau, türkis, blau,... Party People on the boat

Nach der Bootstour heißt es für Hanna, Eric, Brutus und Riss also: Heeeeey, ab in den Süden! Denn New South Wales ist sehr weit südlich von uns. Was wollten wir noch gleich in New South Wales? Ach ja! Arbeiten! Zusammen mit elf anderen glücklichen Backpackern haben wir Arbeit auf einer Avocado-Farm gefunden. Avocados sollen es also sein. Aha. Das heißt für uns wohl in drei Monaten: Nie mehr, nie meeeeehr Guacamoleeee! Für die Hanna zumindest. Für den Eric heißt es: Niemals, niemaaaaaals Guacamoleeee! An dieser Stelle möchten wir den Hamburger Sportverein für seinen glanzvollen Triumph über die SpVgg Greuther Fürth beglückwünschen. Wir fahren also in den Süden in Richtung Arbeit und haben einen Zeitplan erstellt, der sehr viel beinhaltet. Kurz resümieren kann man ihn folgendermaßen: alles Sehenswerte auf dem Weg zu den Avocados angucken. So fahren wir fünf Gefährten also los. Wir fünf, das sind die Hanna, der Eric, der Brutus, der Riss und der Bruce. Darf ich vorstellen: Der National Highway 1 ist ein Highway, der im Wesentlichen ganz Australien einmal umrundet. Er ist 17500km lang. Wow. Ein Teil von ihm, genauer der Teil zwischen Cairns im tropischen Norden Queenslands und Brisbane im Süden Queenslands, wird Bruce Highway genannt. Der führt über 1700km an der Ostküste entlang. Den haben wir komplett vor uns. Und dann noch mal etwa 700km mehr.

Wir machen also Halt an unserer ersten Station, die da heißt: Regenwald! Ein Rundgang, der uns etwa zwei Kilometer durch echten, tropischen Regenwald führt. Mit all seinen Geräuschen, Gerüchen und Erscheinungsbildern ist auch das eine schöne Erfahrung, allerdings haut es einen jungen Menschen natürlich auch nicht aus den Socken. Aufregender sind da dann schon die unzähligen Wasserfälle, die wir heute noch besuchen. Wir kommen also etwa 400km südlich von Cairns auf einen Rundweg mit drei Wasserfällen. Beim dritten kann man sogar baden. Wir stehen also dort, es ist schönes Wetter. Naja, es nieselt und ist kalt. Aber in der Regenzeit IST das schönes Wetter. Absolut kein Badewetter jedenfalls, es wird ja auch Winter in Australien. Außerdem gibt es in dieser Umgebung Krokodile. Was machen also Hanna und Eric? Richtig, getreu dem Motto "Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr" springen wir in die Lagune. So nah wie möglich schwimmen wir an den Wasserfall heran - rückwärts, da man beim Vorwärtsschwimmen so viel Wasser in die Augen gespritzt bekommt, dass die Augen schon Tränenflüssigkeit zum Trocknen verwenden könnten. Ganz unter den Wasserfall schwimmen wir nicht, zu viel Wasser fällt dort runter, das wäre also erstens schmerzhaft und zweitens sehr gefährlich. Krokos haben wir übrigens keine entdeckt. Und sie uns auch nicht. Puh.

Jetzt heißt es also wieder raus aus den nassen Badeklamotten. Die Hanna geht dafür in eine Umkleidekabine wie es sich für ein Mädchen gehört, der Eric denkt sich: "Ach wat, hier is kein Schwein, ziehste dich im Auto um." Also hingesetzt, Handtuch drüber, Hose aus.

"Oi, oi, oi..."

Nanu? Was ist denn das?

"Oi, oi, oi..."

Das klingt ja wie...

"Oi, oi, oi..."

AC/DC in ihren besten Jahren! Die Musik wird lauter. Direkt neben dem Eric, der nun recht hilflos auf dem Fahrersitz sitzt, hält ein Bus auf dem Parkplatz an. Laute Musik dringt hervor.

"Cuz I'm TNT, I'm dynamite..."

Die Tür des Busses öffnet sich und etwa 30 junge Mädels in unserem Alter springen heraus, laufen eins nach dem anderen an der Fahrertür von Brutus vorbei, hinter der ein Eric immer weiter nach unten rutscht.

"TNT, I'll win the fight!"

Nun könnte man meinen, das würde schon reichen. Doch nein.

"There's a fire, starting in my heart..."

Die Musikkenner unter euch merken sofort: Das ist ein anderes Lied.

"Reaching a fever pitch and it's bringing me out the dark"

Klingt ja nach Adele, oder?

"Finally I can see you crystal clear"

Wie passend. Ein zweiter Bus der offenbar zusammengehörigen Reisegruppe hält auf der Beifahrerseite. Noch mehr junge Mädels im Bikini hüpfen heraus. Wenn es Karma gibt, dann möchte ich diese Geschichte mit einer mir auf dem Herzen brennenden Frage abschließen: Wieso?!

Lagune im Jourama-Falls-NP Mit Badewetter :) Kleine Badebecken, die sich am Boden des Wasserfalls mehrmals sammeln und zum krokofreien Baden einladen Teile der Jourama FallsEndlich wieder was für Brutus Brutus schindet Eindruck abseits des Asphalts Auf der Fähre zum Cape Tribulation Wunderbare Aussicht auf Regenwald, der in Sandstrandküste übergeht, nördlich von Cairns Regenwald Uuuuuund Vorsicht fiese Quallen, die sich in Sommermonaten dort tatsächlich rumtreiben, autsch Bestes Wetter um alles zu sehen   Boardwalk im Regenwald Man beachte! Beschilderung auf dem Weg zum Cape Tribulation Lake Eacham in den Atherton Tablelands, normalerweise ein wunderbarer Entspann- und Badeort, allerdings nur halb so schön auf Bildern im Regen :) Wasserfall auf dem Wasserfall Circuit in den Atherton Tablelands noch einer Tadaaaa, die Millaa Millaa Falls, wunderschön und ebenfalls Teil des Waterfall Circuit Da muss man doch reinspringen! Zum Glück kam die Gruppe erst nach uns! Josephine Falls, jetzt schon südlicher Bruce wird ständig bearbeitet, man bedenke, dass vieeel weniger Einwohner auf einen Kilometer benötigte Straße in Australien kommen als in Deutschland Passt schon!

Anschließend machen sich die sechs Freunde wieder auf den Weg. Also Hanna, Eric, sein hochroter Kopf, Brutus, der Riss und Bruce. Auf dem weiteren Tagesplan stehen noch viel mehr Wasserfälle, Strände und wunderschöne Landschaften. Darunter auch der höchste Wasserfall Australiens mit einer Falltiefe von 268 Metern, von denen wir sogar etwa zehn Meter erkennen können. Der Rest liegt im Nebel. Auch dabei ist eine über 100 Meter hohe Sanddüne. Aber das entnehmt ihr am besten alles den Fotos.

Kühe haben Vorrang, da hilft nüscht Lookout über Wetlands, zwischen Townsville und Cairns Wallaman Waterfalls und die gigantische Schlucht - riesig vernebelt Wallaman-Falls Frühstück, hauptsache reduziert :) AIRLIE BEACH - das Tor zu den Whitsundays und ein mittlerweile sehr von Backpackern bevölkertes, kleines Städtchen An der Promenade von Airlie Sommer, Palmen, Sonnenschein,... Exotisch? Noch mehr Wasserfall ... ... Bruce hält uns wach, beispielsweise: Was ist der höchste Berg Queenslands? Endlich mal am Strand fahren!!! Emu Park Town of 1770 Das Handy funktschioniert och unter Wasser Na, wer guckt denn da? Eins mit der Düne - Rainbow Beach Entspannen, im Hintergrund die Küste von Rainbow Beach hopp hopp hopp hopp Dünen-Surfen Wir verewigen uns :) Sandklippen von Rainbow Beach - was bekannt ist für seinen verschiedenfarbigen Sand an einem Ort

Erschöpft von diesem doch recht langen Tag kommen wir am Abend in Noosa an, gehen in unsere Stammbibliothek und schreiben ein bisschen am Blog weiter. Damit müssen wir uns beeilen, denn die Bibo macht in drei Stunden, also um sieben, schon wieder zu. Dann fahren wir noch etwas essen und suchen uns dann einen gemütlichen Parkplatz beim Noosa Civic Shopping Centre. Wahrscheinlich in der Nähe eines McDonald's-Restaurants. Zur Abendruhe gebettet sehen wir den Bad Moon Rising. Der Eric fragt die Hanna, ob sie denn sehe, wie viele Sternlein ständen. Doch der Hanna sind die Augen schon zugefallen und sie fällt in einen tiefen Schlaf, bis es morgens gleich wieder ans Fenster geht, ob es nach Sonne oder Regen aussieht. Auch ich wünsche jetzt eine gute Nacht, danke für's Lesen und bis bald!

Noosa, Nossa, Ai se eu te pego

Samstag, 03.05.2014

Schon wieder in der Bibliothek. Die ist in den letzten Tagen unser zweites zu Hause geworden. Bei gefühlten Minusgraden (wenn die Aussis eine Klimaanlage haben, dann richtig) bibbern wir uns durchs Internet, die Hanna auf Jobsuche und der Eric kümmert sich endlich auch mal um sein Studium. Nachdem wir Basti in Noosa (zwei Stunden nördlich von Brisbane) in seine wohlverdienten Ferien entlassen haben, müssen wir jetzt mal richtig ranklotzen. Und Geld machen ist hier gar nicht so einfach. Während Basti ganz entspannt seine bezahlten Touren zu Naturschönheiten wie Rainbow Beach, Fraser Island und dem Great Barrier Reef genießt, beißen wir uns hier die Zähne am Konkurrenzkampf um Farmjobs aus. Dabei hätte es so einfach sein können: Wir hatten schon unseren Traumjob auf einer Orangenfarm in der Hand, da wurde er uns doch wieder genommen. Tja, schade, auch Jobzusagen müssen hier nichts heißen. Nach einer kurzen Frustrations-Enttäuschungs-Phase ging es dann aber noch energischer, noch zielstrebiger und noch gewiefter ans Werk. Jetzt wird schon Farm-Erfahrung und einiges sonst in den Lebenslauf geflunkert, um mithalten zu können. Harte Geschütze auffahren, das heißt, Leute nerven, in den Arsch kriechen, seinen momentanen Standort wie magisch ein paar hundert Kilometer südlich, nördlich oder westlich verlegen, je nachdem, was gerade verlangt ist  Von bestimmt mehr als 50 Bewerbungen haben wir bis jetzt ungefähr fünf Antworten bekommen und ab morgen kommt die nächste Stufe: Telefonterror! Dabei mangelt es in Queensland im Moment überhaupt nicht an Arbeit. Von Erdbeeren, bis Orangen, Zitronen, Avocados, Baumwolle, Zuckerrohr und Bananen ist alles dabei. Man muss nur noch die Massen an Backpackern überwinden und schneller sein. Verzweifelt erweitern wir sogar unseren Horizont, legen die Latte niedriger und machen uns mental bereit für: Fundraising. Das ist die Jugend von heute, die sich freiwillig auf die Straße stellt und Vorbeigehende anquatscht, um sie für ihre Sache zu gewinnen. Während wir uns Fundraiser von weitem schon mit einem Telefon am Ohr fernhalten (und davon lassen sich mittlerweile lange nicht mehr alle täuschen), stellen wir uns jetzt vor, auf der anderen Seite zu stehen und unser Englisch tagtäglich zu verbessern. Jetzt heißt es also für alle Daumen drücken und Sternschnuppenwünsche hier runter schicken…dann kann nichts schief gehen

23.04.2014

Mittwoch, 23.04.2014

23.04.2014

Wo soll man nur anfangen? Diese Frage können wir uns bei jedem Blogeintrag stellen. Seit der letzten Veröffentlichung sind nun nicht ein mal zwei Wochen vergangen und doch fühlt es sich an, als wären wir schon seit Ewigkeiten mit Emily und Basti unterwegs. Diese Zeit ist bald vorbei, denn Emily fliegt am Freitag für drei Wochen nach Asien und dann back home – home sweet home. Manchmal sehnt man sich doch schon sehr nach Deutschland. Das schon wegen der Bequemlichkeit: immer eine warme Wohnung, eine Küche, in der man spontanen Kochgelüsten nachgehen kann, die ständige Duschmöglichkeit, Internet, wenn man es braucht und nicht zuletzt die Menschen, mit denen man tagein tagaus seinen Alltag verbringt. Nichtsdestotrotz sind noch vier Monate vor uns (und vor euch), bis die Wiedersehensfreude eintreten wird.

Noch ein paar Brisbane-Impressionen: Eink(l)aufen Unser nächtlicher Fährentrip auf dem Wasser (die Fähre ist kostenlos!!!) Emily :D

Brutus hat uns die letzten Tage sehr gut durch die Welt getragen und das sogar zu viert (mit Bett und Matratze und dem ganzen Gepäck ist das wahrlich ein Kunststück). Wie wir schon im letzten Eintrag angekündigt hatten, waren wir auf der Suche nach wwoofing in der Nähe von Brisbane. Schließlich wurden wir herzlich von John („dschon“) und Mircalla („mkala“) und dem Teenager Xander („ksändor“) aufgenommen. Sie haben sich schon vor einiger Zeit 100 Hektar Land in Byrrill Creek in New South Wales gekauft, ihr Häusschen darauf mit den eigenen Händen gebaut und sind vor ungefähr drei Monaten eingezogen. Trotzdem ist noch eine Menge an ihrem Haus zu machen, zu mehren und zu bauen und da kamen die vier muskelbepackten, arbeitswütigen Deutschen (the Germans) ins Spiel. Um acht Uhr früh aufstehen (oder mehr oder weniger eine halbe Stunde später), Haferbrei frühstücken, Holz schleppen, schleifen, bearbeiten, bohren, hämmern, Mittagspause mit sehr geilen, supergeilen Sandwiches, Holz schleppen, schleifen, bearbeiten, bohren, hämmern, in der Hängematte chillen und die Sonne beim Untergehen anglotzen, Abendessen, schönen Abend genießen, schlafen gehen. Im Prinzip haben wir beim Weg von selbstgefällten Bäumen zu einer fertigen Veranda geholfen. Dafür gab es im Gegenzug viereinhalb Tage Natur pur abseits der letzten asphaltierten Straße, umgeben von Hügeln, Bäumen und Tieren (aber keine Mücken, eine Rarität!), null Telefonempfang und null Strom (mit Ausnahme einer Glühlampe, die ihre Energie von einem Solarpanel bekommt). Und (großer Trommelwirbel) Brutus kam zu seinem ersten richtigen 4WheelDrive-Einsatz. Die Straßen konnte man keine Straßen nennen, eher Trampelpfade, auf denen es steil bergauf und bergab ging. Aber dieses abenteuerliche Fahren war wirklich richtig geil! Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie viel Spaß das macht, wenn man es noch nicht kennt. Erst recht im Dunkeln! J
John und Mircalla haben uns fürstlich bedient und es war erfrischend, dass man sich auf so vielen verschiedenen Ebenen im Alltag einig war, obwohl sich die beiden einen Lebensstil ausgesucht haben, den wir so nie leben könnten. Sie haben uns sogar eigens ihre Scheune noch mal hergerichtet, quasi eine überdachte Stelle mit Feuerschale und Sofas, seeeeeehr gemütlich. Beim Versuch, das selbstgehackte Holz anzuzünden, hätten wir leider fast die Scheune abgefackelt (und das wäre haarig geworden, schließlich lagert die Familie ihren Treibstoff dort), aber todesmutig hat Basti den brennenden Benzinkanister nach draußen geworfen und so ein bisschen Gras und vielleicht den ein oder anderen Frosch getötet. Wir haben auch unsere ersten kleinen Schlangen gesehen (keine Sorge, nichts Giftiges).

        Unsere ersten Mini-Schlangen arbeiten die noch unfertige Veranda draußen duschen (wenn man möchte auch unter dem Sternenhimmel) Holz hacken fürs gemütliche Abendbeisammensein Chillen in der Hängematte Chillen auf dem Autodach das selbstgebaute Haus Arbeiten mit Christoph, dem befreundeten Franzosen So fährt das Auto!!! die Natur genießen vor dem großen Feuer das große Feuer

Seit Samstag sind wir jetzt in einem Vorort von Brisbane und hüten dort Haus und Hund von Maree. Wir haben wieder mal ein Bett (himmlisch!) und sogar einen Pool sowie Whirlpool. Da ist es doch klar, dass der jeden Abend angeschmissen wird. Tiger ist Marees Hund, so eine gute Seele und ein absolutes Knuddelkuschelwuscheltier. Sie benötigt ihre tägliche Portion Liebe, eine Gassi-Runde und ein bisschen Futter, sonst ist die Gute rundum zufrieden. Wie entspannt es doch ist, eine Woche unter diesen Umständen in einer so tollen Wohnung zu viert zu faulenzen. Wie schade doch, dass das am Samstag vorbei ist. Und dann sehen wir weiter :)Eric mit TigerOstern in Brisbane!Chillen im Whirlpool...oder im Pool!Mal wieder kochen :) Eine Message an Brisbanes Himmel Unsere Lieblingsente (und das Bier :D ) Ein Tag am Strand in Surfers Paradise Die ultimative Kartenspielarena des Sandes Das letzte (gemeinsame) Abendmahl :(

Update 11.04.2014

Freitag, 11.04.2014

Jetzt sind wir hier…in Brisbane, der angeblich heißesten Stadt, Hauptstadt von Queensland, krasse 4000 (viertausend!) Kilometer kreuz und quer und knapp mehr als ein Monat liegen hinter uns. Am 01.April haben wir uns mit Basti zusammengetan. Unsere Route führte uns seitdem von Tenterfield (ein Arbeitsstädtchen in New South Wales) über Nimbin (ein mindestens doppelt so interessantes Städtchen mit bunten Läden, Neuzeithippies und einer Menge Kifferfreunde von jung bis gaaaaaaanz alt) und dann schließlich langersehnt an die Küste. Wie stellt man sich das perfekte Strandörtchen vor? Freie, kostenlose Parkplätze, langer, weißer, feiner Sand, klares Meerwasser ohne Quallen, Haie, böse Killerfische, dafür mit Wellen, deren Größe gerade passt, dass man Surfer beeindruckt beobachten kann, sich aber trotzdem wie die Kinder selbst waghalsig reinschmeißen kann, bis die Ohren wehtun, Palmen, die ein bisschen Schatten vor der Sonne preisgeben, Truthähne, die zwar neugierig näher kommen, aber doch genau wissen, wo ihre Grenzen sind, eine leichte Brise, die zulässt, dass man sich auch dezent bräunen lassen kann, ohne gleich gekocht zu werden,… Coolangatta hatte all das zu bieten. Die Stadt befindet sich genau auf der Grenze zwischen New South Wales und Queensland und war deswegen bis zum 06.April eine kleine Zeitmaschine. Hatten die Geschäfte im einen Teil schon geschlossen, fuhr man eben fix auf die andere Seite und trickste somit die gemeinen Geschäftszeiten hier aus (mal ehrlich, die Shopping Mall macht schon halb sechs zu, da fangen wir doch gerade erst an). Übernachtet haben wir dann immer fast alleine auf einem Parkplatz am Strand. Faulenzen, einkaufen, am Strand liegen und die Welt genießen, so könnte es immer weitergehen. Der eigentliche Grund, warum diese Stadt die Stadt unserer Wahl war, lag aber daran, dass wir sie auserkoren hatten, um unser Auto reparieren zu lassen. Dafür hatten wir Basti kurz in Brisbane abgesetzt und sind alleine ein paar Tage in Coolangatta geblieben. Unseren ersten Beach-Kontakt mit Basti (er hatte lange keinen, schließlich war er letzten Monat in Tenterfield Paprika pflücken) hatten wir nämlich eigentlich in Byron Bay, dem Surferparadies der Ostküste (es gibt aber auch tatsächlich noch einen Ort hier, der Surfers Paradise heißt). Leider ging uns dort ständig der Motor während der Fahrt aus (was für ein Spaß, im Kreisverkehr ohne Servolenkung), was von der leuchtenden Check-Engine-Lampe begleitet wurde. Wieder ein bisschen weniger Hoffnung, dass Brutus, unser Auto, uns überleben würde. Jetzt wurde ein Teil (idle air control valve) rausgenommen, gereinigt und wieder eingesetzt und siehe da, er läuft (plus es gab gratis richtige Smarties in der Werkstatt, ein Glücksmoment). Mit Brutus wird’s halt nie langweilig, man lernt mit ihm nie aus. Byron Bay war jedenfalls im Gegensatz zu Coolangatta überbevölkert mit Backpackern und so bereue ich nicht, dass wir nicht länger geblieben sind. Schöner war es sowieso, wenn man abends zusammen einen guten Platz zum Schlafen gefunden hatte, die ewige Prozedur des Bett-Umbauens schon hinter sich und vielleicht auch gekocht hatte (zu dritt ist einfach zu viel in diesem Auto) und es sich letztendlich auf Bank und Campingstühlen bequem machte und einfach einen ruhigen, mückenreichen, aber lustigen Abend miteinander genießen konnte. Basti wollte sich dann erst einmal in Brisbane absetzen, weil dort Emily war, wir sind nach Brutus‘ Reparatur nachgekommen. Emily und Basti sind seit seinen Anfängen in Melbourne zusammen gereist, haben zusammen gearbeitet, aber sich die letzte Zeit einzeln auf den Weg gemacht. Die beiden können sehr gut miteinander, deswegen war die Wiedersehensfreude groß. Jetzt sind wir meistens zu viert unterwegs, weil es einfach Spaß macht. Obwohl wir nach Arbeit suchen, läuft es wohl darauf hinaus, dass wir in ein paar Tagen wwoofen gehen (ja, das Doppel-W ist kein Schreibfehler, der Begriff bezeichnet das Arbeiten für Unterkunft und Essen). So einfach ist das gar nicht, jemanden in der Nähe zu finden, der vier Leute zu dieser Zeit sucht. Schwieriger ist es momentan allerdings, einen Farm-Job oder Fruitpicking-Job zu finden. Genau genommen gibt es da eine Telefonnummer, bei der man anruft, die einem dann sagt, wo was zu finden ist. Jetzt gibt es gar nichts in Queensland und New South Wales und auch bei Internetportalen wie gumtree (das scheint hier das australische Ebay zu sein) wird man selten sinnvoll fündig. Bewerbungen sind schon raus, aber das einzige inoffizielle Jobangebot gab es bisher erst von Jim, dem Arbeitgeber in Tenterfield, von dem Basti unbedingt weg wollte, weil es nicht zu ertragen sei. Wir machen weiter und weiter und weiter und weiter und irgendwann wird dann einer zuschnappen und an der Angel zappeln, ein ganz dicker Fisch. Nach mehr als einem Monat NichtArbeiten ist es aber eine merkwürdige Vorstellung, wieder aktiv zu werden

Am Strand chillen. Unterwegs mit Basti :) Zu dritt

Zum Schluss das Schnäppchen des Tages: Geh zu McDonalds und hol dir eine Soft Serve Cone. Das ist das ganz normale Eis in ner Waffel für nur…(trommelwirbel)…30ct, quasi 20 Eurocent.

mjam mjam

It's gonna be an ADWENTCHA!

Dienstag, 01.04.2014

Augen auf beim Autokauf. Dass dieser auch mal ganz schön die Hose gehen kann, durfte Elisa (Schwester der Hanna, Anm. der Red.) in Australien hautnah erleben. Deswegen lautete also der Tenor der Muttis und Vatis zurecht: Passt bloß auf, was ihr euch da zulegt. Nun sind wir selbst seit ziemlich genau zwei Wochen stolze Besitzer unseres geliebten Brutus, einem Holden Jackaroo aus der doch schon etwas älteren Generation 1998, dreckig blendendes weiß und ein Körbchen auf dem Dach für das Übergepäck. Zeit genug also, um die Geschichte der bisherigen Höhen und Tiefen mit Brutus darzulegen.
Alles begann vor drei Wochen, Eric und Hanna hatten wohl überlegt, sich ein Gefährt zuzulegen. Fahren sollte es können, am besten über Stock und Stein, über Sand und Dreck, und ein Bett zum Schlafen sollte es haben. Schließlich schreiben hier Sparfüchse und 30$ pro Person und Nacht für den üblichen Hostel-Luxus sind einfach arschteuer. Da wir nicht die einzigen mit dieser genialen Idee sind, gab es auch gleich ein großes Angebot in Melbourne. Die Wahl fiel zuerst auf Brutus, er sprang uns gleich ins Auge und wollte uns gar nicht mehr loslassen. Also ab mit der Karre in die Werkstatt, um sie durchchecken zu lassen, kaufen und abdüsen ins weite, unbekannte Australien. Klingt einfach, ist es aber nicht. Bereits die Suche nach der geeigneten Werkstatt gestaltete sich schwierig. Die erste, die wir angefahren sind, wollte doch tatsächlich 120 Dollar für ein bisschen Anschauen haben. Das sind ja 240 Mark, das sind 480 Ostmark, das sind 2400 Ostmark auf dem Schwarzmarkt!!! Also auf zur nächsten Werkstatt. Es ist schwierig zu beschreiben, aber dort wollte man nur noch weg. Der Mechaniker war ein glattgegelter Typ mit Horror-Funkelaugen, der aussah, als würde er mit seiner Mafia-Familie erst dich, dann dein Auto und - wenn er Lust hat - noch deine Familie foltern und ermorden. Außerdem wollte er satte 220 Dollar in seine Taschen schaufeln, das sind 440 Mark, das sind ja 880 Ostmark,... Also wieder zurück zum ersten Mechaniker. Der wollte uns nach zwei Stunden am Telefon erklären, dass die Bremsen nicht gehen. Zusammengefasst ist das Ende des Kapitels, dass das Gefährt soweit als "in Ordnung" betitelt und zwei Bremsbeläge erneuert wurden, bevor wir uns Brutus letztendlich geschnappt haben.

Die folgenden zwei Wochen mit Brutus haben uns einiges an Belastbarkeit, Herzschlagaussetzern und sogar tränenreichen Momenten abverlangt. Wenn es ein Problem mit Autos gibt, haben wir es ausnahmslos erlebt (Anm. d. Red.: Zugegeben, das ist vielleicht ein bisschen geschwindelt). Teils aus eigener Unerfahrenheit und beispielloser Dummheit, teils wegen Brutus' Alter. Dass wir die Alarmanlage nicht ganz unter Kontrolle haben, ist in diesem Blog schon bekannt. Aber das Auto wäre nicht das Auto, würde es seine Alarm-Röhre nicht noch mal auf dem proppevollen Kaufhaus-Parkplatz der Polizei demonstrieren. Wenigstens wissen wir, wie man das Monster mehr oder weniger bändigt. Nicht so bei unserem Versuch auf Schlafplatzsuche, als wir ein 24h-Parkhaus auserkoren hatten. Sorgenlos und erleichtert, dass endlich ein Platz zum Nächtigen gefunden war, fuhr Hanna entspannt und nichtsahnend. KLONK! Sie hatte glatt das Warnschild für die maximale Einfahrhöhe im vollen Schwunge mitgenommen. Peinlich genug, die clever Kombinierenden unter euch können jetzt schließen, dass es sich nicht gut macht, in ein Parkhaus zu fahren, dessen zulässige Fahrzeughöhe man überschreitet. Wir habens trotzdem gemacht. In Zentimeterarbeit haben wir uns mit Fahrerkönnen irgendwie glücklicherweise wieder rausgewurschtelt, ohne noch mal anzuecken.
Was passiert, wenn dein Auto plötzlich aus dem Auspuff pullert und im Leerlauf einfach nicht unter zweieinhalbtausend Umdrehungen kommt? Richtig, der totale Wahnsinn bricht aus und du wähnst dein Auto schon auf dem Schrottplatz. Ein nächtlicher Weckanruf bei Erics Papi zu Hause im zehn Stunden entfernten Dresden entschärfte die übelst gefährliche Situation und resultierte darin, dass wir einfach weiterfuhren, bis sich das Auto selbst wieder beruhigt hatte. Ein weiteres Mal musste der weise Autoflüsterer herhalten, als Brutus schon wieder Wasser ließ. In guter Sherlock-Holmes-Manier versuchten wir die Ursache ausfindig zu machen, blieben jedoch bei der Erkenntnis stecken, dass ein Schlauchende unten sichtbar rauslunschte und langsam aber stetig durchsichtige, geruchslose Flüssigkeit entließ. Kurze Zeit später war die Lösung des schweren Problems gefunden: Die Klimaanlage wurde als Wurzel des Übels identifiziert, die dort ab und zu Kondenswasser entsorgt. Für manche mag das trivial vorkommen, aber für Menschen wie uns, die hier nur dieses Gefährt und seine Innereien besitzen und absolut keine Kenntnisse von der Technik haben (wie passend, wenn man doch so darauf angewiesen ist), sind jegliche Wehwehchen am Auto die Welt.
Man bekommt fast den Eindruck als hätte Brutus schon mal aus jeder Öffnung getropft. Ab und zu riecht er auch ein bisschen nach verbranntem Gummi. Ein Mal haben wir es auch fast geschafft, den Tank leerzufahren. Das ist ein echtes Kunststück in den so gut bevölkerten Gebieten, die wir bis jetzt durchfahren haben. Vergesslich, optimistisch und mit unübertroffener Motivation haben wir uns die bergreiche Welt der Grampians, dem Nationalpark nordwestlich von Melbourne, vorgenommen. Bergauf verbraucht der gute Brutus allerdings extrem viel, sodass es runterzu nur noch für Motor aus, rollen und lenken gereicht hat. Allerdings hatte die Tankanzeige uns ganz gemein ausgetrickst: Als wir schweißdurchnässt in der nächsten Stadt an der Tanke hielten, waren noch stattliche 30l intus. Jetzt wissen wir nicht mehr, ob wir ihr trauen können und schreiben beim Tanken brav alle Daten auf, um im Notfall rechnen zu können.
Der absolute Obermega-Burner kam uns aber heute unter die Nase. Ein erster kleiner Schockmoment, als der Motor beim Startversuch komische Geräusche machte und sie erst mal auch nicht bequemte anzuspringen (das hatten wir schon seit ein paar Tagen beobachtet). Der zweite Herzhüpfer, als der Motor schließlich nach mehreren Versuchen mehr oder weniger lief, aber sich ständig selbst zwischen 0 und 1000 Umdrehungen regulierte, als würde er kämpfen, überhaupt noch mal zu arbeiten zu gehen. Nummer drei folgte dann, als das Lämpchen "Check Engine" den Fahrer anstrahlte. Das kann nie was Gutes heißen, also einen Blick ins Handbuch gewagt, welches uns dann die Empfehlung gab, as soon as possible einen Holden-Dealer anzufahren. Da waren wir dann, in einem großen Dorf mit Holden-Dealer, warteten auf den Mechaniker, der leider noch eine Stunde Mittagspause hatte und zermarderten uns den Kopf. Ein neuer Motor wäre nie drin, so viel ist das Auto doch gar nicht wert. Wenns das gewesen sein sollte mit Brutus, haben wir unglaubliches Pech gehabt. Schließlich hatten wir ihn checken lassen, nichts wurde entdeckt und auch unsere vier Augen ruhten während ein paar Tagen und Nächten vor dem Kauf auf ihm, als nichts zu bemerken war. Wenns das gewesen sein sollte mit Brutus, sitzen wir in einem Dorf, irgendwo in New South Wales, nicht wirklich am Start, nicht wirklich am Ziel. Wenns das gewesen sein sollte mit Brutus, haben wir eine Menge Geld in den Sand gesetzt (ein kurzes, teures Vergnügen) und die Stimmen klingen nach...Augen auf beim Augenkauf. Wenns das gewesen sein sollte mit Brutus, können wir Basti nicht rechtzeitig in Tenterfield abholen und er sitzt genauso blöd rum. Es war einfach nicht schön, daran zu denken, wie es wäre, wenn es das gewesen sein sollte. Nachdem der Mechaniker gesättigt (aber kostenlos!) wieder seiner Arbeit nachging, schloss er irgendwie einen Computer an den Motor an (?) und fuhr eine Runde (zu dem ohnehin schon schwierigen Kommunizieren wegen des fehlenden technischen Vokabulars in Englisch gesellte sich eine wirklich lustige Aussprache des Mechanikers hinzu). Danach gab er uns den Schlüssel wieder, meinte, der Motor sei nicht kaputt, würde nur ein bisschen aufmucken, wir könnten problemlos, sorgenlos weiterfahren, müssen aber jedes Mal, wenn das böse Lämpchen wieder blinkt, zum nächsten Holden-Dealer fahren, um es checken zu lassen. Man konnte hören, wie uns der Stein vom Herzen fiel. Damit hatten wir nicht mehr gerechnet und so sitzen wir hier, zwei Stunden danach und sind wieder guter Dinge auf dem Weg zum Basti, düsen mit laut aufgedrehter Musik durch die Landschaft und genießen unser fahrendes Leben mit Brutus :) Bis unser Sorgenkind das nächste Mal aufmuckt, ,al sehen, was er sonst noch im Repertoire hat. Das Witzige ist, dass der Eric den Basti aprilgescherzt hatte (denn heute ist der Tag der Tage, an dem man das machen darf), dass wir wegen des Getriebes beim Mechaniker säßen und nicht mehr weiterfahren könnten, weils kaputt ist, BEVOR wir tatsächlich beim Mechaniker saßen. Schlechte Ironie des Schicksals oder Karma? Wer weiß :)

Melbourne bei Nacht vom Skytower 20. Geburtstag mit Partyhütchen, Kuchen und Kerze Erster Strandbesuch in Melbourne beim Sonnenuntergang

Aber auch wenn Brutus uns das ein oder andere Mal schockt, haben wir auch schon viele schöne Momente erleben dürfen. Da wir immer noch auf das Paket aus Deutschland warten mussten, dachten wir uns, wir nutzen die freie Zeit mit einem Auto und erkunden die Möglichkeiten außerhalb von Melbourne. Unser erster Weg führte uns zu unserer ersten Couchsurfing-Erfahrung, einem älteren Paar in einem der östlichen Vororte. Für alle, denen das Couchsurfing-Projekt noch unbekannt ist: Man registriert sich in einer Community, bietet selbst einen kostenlosen Schlafplatz an oder sucht ihn und lernt so international immer wieder neue Leute und ihre Geschichten kennen. Dort wurden wir für ein Wochenende verwöhnt mit Duschen (was für ein Luxus und das kann man schon nach drei Wochen sagen), köstlichen Speisen, Känguru-Origami-Lernsessions, guten Geschichten, deutscher Gesellschaft (die beiden beherbergen so viele Couchsurfer, wie sie berherbergen können und das rund um die Uhr) und hilfreichen Tipps für die Umgebung. So landeten wir in einem Nationalpark, wo einem die Kängurus direkt vor der Nase über den Weg hoppeln (das sieht wirklich witzig aus, entweder es glotzen dich zehn Köpfe gleich verdattert an oder sie hüpfen auf lustige Art und Weise einfach weg, wir haben sogar eine Känguru-Mama mit Baby gesehen) und konnten in einem anderen Park Papageien und Kakadus auf Hand, Arm und Schulter fliegen lassen. Alles in allem also eine sehr gelungene Zeit. 

Känguru-Origami Die lassen es sich schmecken, auch mal auf dem Arm oder der Schulter. wunderbare Farben

Direkt im Anschluss haben wir uns auf die Great Ocean Road begeben, eine wunderschöne Panorama-Straße, die dich durch verschiedene Orte an der Küste führt. Unbeschreibliche Formationen, die sicherlich mit mehr Sonne eine größere Wirkung entfaltet hätten, Koalas, Kängurus. An dieser Stelle möchten wir lieber die Bilder sprechen lassen, also seht selbst, warum diese Straße zu den bekanntesten "scenic routes" der Welt gehört. 

The Grotto Fein eingeparkt von Backpackern (man beachte, dass die Fahrertür hier rechts ist) London Bridge (vor ein paar Jahren ist der Teil zwischen der jetzigen Insel und dem Festland abgebrochen, niemand wurde verletzt aber zwei Menschen waren plötzlich auf der neu entstandenen Insel gefangen :) The Arch The Twelve Apostels Die ersten Koalas wurden gesichtet. So wird hier beschildert. Große Bäume im Stile der amerikanischen Nationalparks Vom Meer bearbeitet beeindruckendes Wetter

Als Standard-Fortsetzung für die Great Ocean Road gilt der Grampians-National-Park. Schöne Berg- und Felslandschaften gepaart mit wundervoll weiten Aussichten, alles für lau. Neben vielen Lookout-Points hatten wir den Mount Zero auserkoren zu besteigen, weil Basti seinerseits schon drauf war und es empfehlen konnte. Hochmotiviert gings mit Sonnencreme, Strohhut und FlipFlops (wer hätte gedacht, dass diese Schnapsidee mit den FlipFlops tatsächlich funktioniert). Der Weg nach oben macht immer mehr Spaß, man kann die Steine erklimmen, klettern und ist gefordert. Es wurde immer mehr Kleidung ausgezogen und immer mehr Sonnencreme auf die Haut gepatscht, weil es einfach so extrem heiß war (die FlipFlops bekommen einen Pluspunkt). Oben angekommen dann die kleine Enttäuschung: Es summte nur so von massig Bienen, Fliegen und sonstigen Insekten. Die waren so dicht, dass man sich nicht mit ganz oben durcharbeiten konnte. Ein paar schöne Bilder sind trotzdem entstanden. Zum Glück haben wir uns bei den Markierungen auf dem Weg nach unten nicht verlaufen.

Auf dem Weg zum Mt Zero, mit viel Klettern und durch Felsspalten quetschen Genieße die Aussicht! Australisches Feeling auf dem Weg zum Nationalpark Herrlicher Sonnenuntergang mit Brutus bei den Grampians oben angekommen die kleine rote Gitarre auf dem Mt Zero Hanna auf den Balconies Wie weit man seinen Blick schweifen lassen konnte.


Nach den Natur-Exkursionen ging es wieder in die Stadt, das hoffentlich bereits angekommene Paket schnappen, um das endgültig unabhängig auf den Roadtrip zu starten. Aber guess what, das Paket war natürlich nicht da. Ist es bis jetzt noch nicht. Der letzte Status kam vor 10 Tagen und sagte, das Paket sei jetzt in Australien, aber auf Nachfrage bei der Australischen Post kam heraus, dass es noch nicht ein mal in deren Besitz wäre und das so eine Lieferung eigentlich schon mal so bis zu sechs Wochen dauern kann. Zum Vergleich die Infos von DHL: 11 Tage Lieferzeit, danach wurdens 11 Werktage und jetzt? Bei so einer Schweinerei würde sich die Hanna gleich persönlich beschweren gehen, aber die große Distanz macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Das ist auch besser so, wir haben das Paket jetzt aufgegeben und reisen entspannt ohne es weiter (und lassen es dann nachschicken, wenn wir wissen wohin).

Vor einer Weile haben wir uns mit Basti ausgemacht, dass wir ihm einen Besuch abstatten, wenn er nicht mehr arbeitet und ihn für eine Woche oder so ein Stück mitnehmen. Die Zeit ist gekommen, im Moment sitzen wir im Auto nach Tenterfield, seiner momentanen Location. Auf dem Weg dorthin haben wir schon zwei Stops gemacht: Canberra und Sydney. Es ist unglaublich, wie wenig man über Canberra erzählen kann. Mehr oder weniger ist es nur eine politische Stadt mit Kriegsdenkmälern, erbaut, um eine Hauptstadt Australiens zu haben. Der Stadtinnenkern sieht nicht eng aus wie in den Metropolen hier, eher weitläufige Straßen, also auch nicht so busy. Man konnte sich nicht so richtig wohlfühlen, es gab wirklich NICHTS zum Sehen, also sind wir schnell weitergecruist.
Nach Sydney, die fälschliche Hauptstadt Australiens. Die weltbekannte Metropole. Und wir hatten einen halben Tag Zeit, sie zu erkunden. Also gings ab auf die Touri-Route vom Circular Quay (den Hafen-Piers, von denen sämtliche Fähren und Besichtigungsfahrten abgehen) zum weltberühmten Opernhaus, durch den botanischen Garten, ins nah gelegene, gemütliche Viertel The Rocks und letztendlich auf die Harbour Bridge, die (wenn man durch die ganzen Sicherheitszäune durchkommt) gute Blicke auf die Stadt gewährt. Manche können vielleicht nur den Kopf schütteln, wenn man meint, dass diese Zeit gereicht hat. Merkwürdigerweise bewegen wir uns hier lieber außerhalb von großen Städten, haben wirklich richtig Lust auf die Natur und ihre Geheimnisse, wollen sehen. Man möge uns verzeihen, wenn daher die bekannten Städte in der Erzählung zu kurz kommen.

Sydneys Inneres Suchbild. Wo ist Eric? Das allzu bekannte Opera House

Wie Sydney (eine erste amerikanische Hostel-Bekanntschaft) immerzu in Bezug auf unsere Reise mit Brutus durchs Zimmer brüllen zu pflegte: "It's gonna be an 'Adwentcha' ". Wer hätte gedacht, dass er so Recht damit haben würde :)

11.-16. März

Sonntag, 16.03.2014

Ich sitze auf meinem Stuhl und ich schaue aus dem Fenster…. Melbourne, Klappe die zweite! Neun mal haben wir hier jetzt schon geschlafen. Glaubt man Statistikern, kündigt sich ein zehntes Mal an! Am Anfang eines jeden Märchens werden gewisse Parameter – unter anderem die Zeit und die Lokation - klargestellt. Wir versuchen, uns daran zu halten. Also, es war einmal in einem Hostel namens Discovery Melbourne, tief im staubig-heißen Lande der Kängurus, als ein junger Recke mit seiner Prinzessin auf der Erbse seinen Blog schrieb. Seit dem letzten Eintrag ist viel passiert. Acht teure Nächte haben wir in unserem alten, ersten Hostel verbracht. Den Jetlag haben wir in der Zeit weitestgehend überwunden, die Tagesstruktur war eintönig, aber keinesfalls langweilig. Zumindest für uns. Ihr müsst da halt durch. Als Standard- und Grundnahrungsmittel haben sich in unserem Leben die guten, alten Weintrauben etabliert. Für 1,70 Australische Dollar darf man sich aus einem Laden hier ein ganzes Kilogramm davon mitnehmen. Umgerechnet in eine in Europa weitverbrittene Währung sind das etwa 1,08 Euro. Klasse Preis, oder? Sehr geile Bioprodukte. Zu Erics Entsetzen wurde festgestellt, dass Müllermilch nicht nach Australien exportiert wird. Die Suche nach einem würdigen australischen Äquivalent wurde mit der Findung eines Produktes namens BIG M abgeschlossen. Der folgende Abschnitt widmet sich dem Marek, ihr anderen dürft ihn überspringen:

 

[BEGINN VON MAREKS ABSCHNITT]

 

BIG M ist in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich, deren Spektrum allerdings von der Breite her nicht mit der Müllermilch vergleichbar ist. Eric entschied sich für die Schokoladen-Variante, um den optimalen Vergleich zur Müllermilch herstellen zu können. Der Geschmack auf der Zunge ist ein wenig süßer als beim (mehr oder minder) westdeutschen Repräsentanten, der Gesamteindruck im Mundraum wirkt dezent unnatürlicher. Man möge uns auch diesen Superlativ verzeihen! Allerdings kommt auch bei BIG M kein Protest der Geschmacksnerven ob einer chemischen Verunreinigung auf. Die Kernnote ist einwandfrei auf Kakaobohnen zurückzuführen, was die rezessive Herbe am Gaumen im sonst sehr lieblichen Abgang erklären dürfte. Alles in allem ein gutes Produkt, dem jedoch die Müllermilch im Preis-Leistungsverhältnis jederzeit vorzuziehen wäre, so sie denn im Angebot vertreten wäre. Realistisch und in Relation zu den bestehenden Möglichkeiten gesehen stellt der käufliche Erwerb des Produktes BIG M jedoch die Wahl dar, die nach Berücksichtigung aller Belange wohl am weitesten an das Optimum heranreicht. Eric empfiehlt.

 

[ENDE VON MAREKS ABSCHNITT, HIER SOLLTEN WIEDER ALLE LESEN]

 

Nach dem Frühstück ging es dann für Hanneric meistens erst einmal wieder ins Zimmer, also ins Bett zurück, wo erst mal alle elektronischen Geräte angeschmissen wurden. Im Laufe der Zeit fällten wir dann die erste wirklich richtungsweisende Entscheidung für unsere Reise: Wir werden ein Auto kaufen. Viele Backpacker wählen diese Option nicht, weil es erstens ein finanzielles und zweitens eins organisatorisches Risiko darstellt. Meistens sind diese Backpacker alleine unterwegs. Die Hanna und der Eric sind ja aber schon mal zu zweit. Es gibt die sogenannten Backpacker Cars, das sind also gebrauchte Autos, die in Funktionalität auf das Reisen ausgelegt wurden. Man kauft so ein Auto in der Regel von einem Backpacker, der seine Zeit in Australien schon hinter sich gebracht hat. Es gibt die unterschiedlichsten Varianten von Backpacker-Autos. Manche bevorzugen es, in einem regelrechten Hippie-Van (nicht selten tatsächlich ein VW-Bus der alten Schule) herumzugurken, andere kaufen sich einen Ford Fallcon, also ein normaler Kombi, wieder andere legen sich ein SUV-ähnliches Gefährt zu. Also einen Geländewagen. Für die letzte Variante haben wir uns entschieden. Für alle, die sich immer noch nichts darunter vorstellen können: Das von uns ausgewählte Modell ist ein HOLDEN Jackaroo. Einfach diese beiden Worte mal bei Google eintippen. Das ist ein Siebensitzer, wobei die hinteren fünf Sitze (zwei Sitzreihen) umgeklappt sind. Über ihnen ist ein Bettgestell eingebaut, darauf liegt eine Matratze, die ein weitestgehend angenehmes Schlafen ermöglicht, solange die Handbremse angezogen ist. Das bedeutet also, wie der aufmerksame Leser schon erahnen wird, dass wir einem Leben in Hostels abgeschworen haben und den absoluten Großteil unserer Zeit in diesem Auto leben werden. In einem kleineren Auto wie dem Ford Fallcon kann man nicht so angenehm schlafen. Der für uns entscheidende Fakt ist aber, dass es eben ein Geländewagen ist, der demzufolge auch Allrad-Antrieb hat. Für jene, die damit nicht viel anzufangen wissen: Die Möhre hat Wumms, und zwar ordentlich. Uns ist es dadurch auch möglich, auf unbefestigten Straßen und sogar Stränden zu fahren. Das typische Outback-Auto. Fahrt mal mit einem Stadtauto am Strand! J Die Preise variieren je nach Fahrzeugtyp, Kilometerstand, Fahrzeugzustand und mitverkauftem Equipment zwischen etwa 2500$ und 7000$. Natürlich ist da nach oben nicht wirklich eine Grenze, aber wir reden von realistischen Angeboten. Wir haben uns gegen den Lamborghini für 764000$ entschieden, weil der keine Toter-Winkel-Aufsätze auf den Seitenspiegeln hatte.

So waren unsere ersten Tage also von Internetrecherche geprägt: Was muss man mit einem Auto in Australien beachten? Hier möchten wir ein drittes Mal seit Beginn unseres Abenteuers konstatieren: Das Flugzeug genießt im Straßenverkehr immer Vorfahrt, denn manche Straßen in Australien (vor allem in ländlicheren Gegenden) werden auch als Landebahnen benutzt. Gefolgt wurden diese Recherchen natürlich von Angebotssuche und dann von unzähligen Autobesichtigungen und Probefahrten im diabolischen Linksverkehr Melbournes. Wir haben hauptsächlich deutsche Verkäufer kontaktiert, weil wir der Meinung sind, dass bei einer derart wichtigen Sache wie einem Autokauf die Sprachbarriere nicht im Weg stehen sollte – so lernten wir den Michael kennen. Der Micha ist ein Backpacker aus Cloppenburg, einem 35000-Seelen-Dorf bei Bremen, das natürlich eines Vergleiches mit einer Metropole wie Dresden nicht würdig ist! An dieser Stelle ein fischiges Moin an den Micha. Von ihm werden wir in den nächsten Tagen unseren HOLDEN Jackaroo kaufen, mit dem er vier Monate durch Australien reiste. An Ausrüstung ist fast alles Wünschenswerte schon dabei – von Angelausrüstung über Wasser- und Benzinkanister hielten sich für schlaue Leute, witterten schon fette Beute! Riefen „Krieg“ und wollten Macht – Mann, wer hätte das gedacht, dass es einmal soweit kommt wegen neunundneunzig…. Ups, da sind wir wohl etwas abgeschwiffen. Also, von Angelausrüstung über Wasser- und Benzinkanister bis hin zum Fußball. Eine Ukulele werden wir uns wohl noch zulegen, um Erics Gitarrendefizit zumindest ein wenig kompensieren zu können. Der wird da so unausstehlich, dass nicht einmal ein Snickers mehr hilft.

A propos Eric – wusstet ihr, dass der Geburtstag hatte? Am 14. März jährt sich sein Geburtstag wie der von Albert Einstein – jedes Jahr! Zur Feier des Tages kaufte sich die Hanna einen XXL Frozen Yoghurt. Und wir möchten konstatieren: Subway schmeckt in Australien nach nichts und ist von der Frische her kein Vergleich zum deutschen Subway. Außerdem wir setzten einen Trackable aus. Für jene, die damit nichts anzufangen wissen, hier eine möglichst kurze Erklärung: Beim Geocachen sind überall auf der Welt kleine Container (Filmdosen oder Tupperware-Boxen) millionenfach versteckt und können mithilfe von Koordinaten aus dem Internet und GPS gefunden werden. Darin kann man einen Trackable absetzen, also einen kleinen Gegenstand mit einer Nummer. Der nächste, der dann den Cache und damit auch unseren Gegenstand findet, kann den Trackable (in unserem Fall ein kleines Känguru als Schlüsselanhänger) mitnehmen und in einem anderen Cache wieder aussetzen. Mit der Seriennummer können wir die Route und den Aufenthaltsort unseres Kängurus im Internet verfolgen. Auch eine Aufgabe haben wir ihm gegeben: Unser Känguru soll erst nach San Francisco und danach nach Dresden zurück reisen. Und es soll eher wieder da sein als wir. Fremde Leute können diese „Mission“ im Internet auch einsehen und unserem Känguru helfen. Eigentlich sind wir nicht davon ausgegangen, dass unser Trackable seine Mission in der zeit erfüllt. Diese Ansicht änderte sich, als wir im Internet gerade einmal 24 Stunden später gelesen haben, dass das Känguru schon seit Flugticket nach Los Angeles gelöst hat und mittlerweile schon da ist… Wahnsinn, wie schnell das geht.

Erics Mama gab uns auch ein Trackable mit auf den Weg, wir suchen aber noch nach einem geeigneten Ort, ihn auf die Reise zu schicken.

An dieser Stelle möchte sich der Eric noch einmal ganz dolle für alle Geburtstagsglückwünsche und –geschenke bedanken. Sie haben den Tag noch schöner gemacht.

Einen Tag nach Erics Geburtstag mussten wir unser Hostel dann um 10 Uhr morgens verlassen und standen vor einem großen Problem, weil wir nicht wussten, wohin wir danach gehen sollten. Alle Hostels in Melbourne waren wegen der Formel 1 restlos ausgebucht. Nach sehr vielen und intensivst sorgenvollen Stunden haben wir dann Unterkunft in unserem künftigen Auto gefunden, denn der Micha ließ uns jetzt schon mal eine Nacht darin schlafen. Wir machten den Fehler, das Auto in Schräglage zu parken und kullerten daher des Nachts immer in eine Richtung, was auch zur ein oder anderen Verspannung führte. Was vielleicht außerdem noch erwähnenswert ist: Wir standen in einer Wohnsiedlung an einem möglichst dunklen Platz und waren schon fast schlaffertig – also Schlafanzug an, alles ausgeschaltet, Türen zu, Alarmanlage aktiviert und Fenster einen spaltbreit offen – da musste der Eric unbedingt noch mal aufs Klo. Das bei seinem Talent Unvermeidliche trat selbstredend ein: Mitten in der Nacht ballerte, dröhnte, sägte, kreischte und plärrte die übrigens sehr gut funktionierende Alarmanlage des Autos die ganze Siedlung zusammen. Dementsprechend auch recht hektisch suchte der Eric also nach dem Schlüssel, um ihn in die Zündung zu stecken und damit möglicherweise diese akustische Kriegssimulation zu beenden, ständig begleitet von Hannas Rufen, er solle doch den Schlüssel in die Zündung stecken, den Schlüssel in die Zündung stecken, den Scheiß-Schlüssel endlich in die Scheiß-Zündung stecken, während die Anwohner schon wie die Ameisen aus ihren Häusern kamen um nachzusehen, ob mit ihrem Auto alles in Ordnung ist und während der Basti aus Sydney anrief und fragte, was wir da für einen Lärm machten. Peinlich tangiert taten die beiden jungen Leute, die in dem Auto da schlafen, so, als wüssten sie auch nicht, was das war. Raus musste der Eric dann nach diesem Schock auch nicht mehr. Warum sind Alarmanlagen nur so laut?

Am nächsten Morgen dann das Problem: Wie kommen wir aus dem Auto raus? Die Türen, durch die wir reingekommen sind, gehen von innen wegen einer defekten Kindersicherung nicht auf, die Vordertüren waren von unserem sämtlichen Gepäck blockiert. Blieb nur die Kofferraumklappe. Also, Schlüssel ins Zündschloss, zünden, Zähne ganz fest zusammenbeißen, Augen zukneifen und Auto entriegeln – es blieb ruhig. Puh. Ab nach draußen durch den Kofferraum. Geht aber.

Wie es der Zufall so will, musste der Micha heute Morgen um 10 auch aus seinem Hostel raus. Sein nächstes Hostel heißt Discovery Melbourne. Vorhin haben wir also zu dritt hier eingecheckt und müssen jetzt noch eine halbe Stunde warten, bis wir unsere Zimmer beziehen können. Internet gibt es in diesem schweineteuren Hostel nur gegen Aufpreis, also werden wir den Blog hier erst einmal über das Datenvolumen unseres Handys hochladen. Die Sparsamkeit verbietet also vorerst wieder den Upload von Bildern. Die werden wir wieder nachreichen.

Wir bedanken uns jetzt also wieder für eure Lesezeit und es tut uns Leid, dass es schon wieder so viel geworden ist. Sollen wir uns kürzer fassen? Das können wir machen, ihr müsst es nur sagen. Hat überhaupt jemand bis hierher gelesen? :D

Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Hanneric

Bilder...

Dienstag, 11.03.2014

Feuerwerk am Yarra River zum Moomba-Festival

Das ist die Hanna und die sitzt auf ner Bank und im Hintergrund sind Blumen Feuerwerk am Yarra River zum Moomba-Festival

Steht ja droff, wasses is!

Solche großen, grünen Parks gibt es zuhauf in Melbourne.... Dieser heißt Treasury Garden

Sommer, Palmen, Sonnenschehein... Was kann schöner sein?

Ein Teilnehmer der besagten Birdman Rally kurz vor seinem Flugversuch

Melbourne vom Yarra River Hier haben wir eine Müllauffangstation im Fluss. Da fängt man Müll! Unser erster Geocache in Australien (am MCG-Stadion in der Nähe vom Hostel) :) Und das nennen die hier micro Strahlender Sonnenschein bei mehr als 30°C oder leichter Regen...die Sonnenuntergänge hinter den Wolkenkratzern sind auf jeden Fall ein Highlight (den Eric nicht zu vergessen). Unsere Reiseroute beim zweiten Langstreckenflug Zwei Mal kamen wir in den Genuss des Sonnenaufganges über den Wolken, leider konnten wir ihn nie richtig festhalten (dank eines laut schnarchenden Mannes, wegen dessen Leibesfülle und Bewusstseinszustandes es nicht möglich war, näher ans Fenster zu kommen Ankunft in Singapur Wohlgeordnete Schiffsflotte ohne ein erkennbares Ziel Unsere letzten Stunden in Frankfurt

Jetzt sitzen wir hier in der State Library of Victoria - denn Melbourne ist ja die Hauptstadt eben dieses Staates - und haben tatsächlich WLAN gefunden, das wir nutzen können. Was für eine Odyssee: Nachdem das WLAN in unserem Hostel leider den Geist aufgegeben hat ("We're trying to fix it ASAP") und wir die Bilder für den Blog also nicht hochladen konnten, sind wir samt Laptop in den nahegelegenen Federation Square umgezogen. Nach einigen Startschwierigkeiten haben wir dort dann Internet gehabt - prompt fing es an zu regnen. Schnell wieder ins schützende Hostel und am Nachmittag in die Bibliothek, die von den Ausmaßen an die SLUB in Dresden erinnert - vielleicht sogar noch größer. Hier gibt es jetzt WLAN, wenn auch sehr langsames, aber es erfüllt (hoffentlich) seinen Zweck, sodass ihr mit etwas Glück unter diesem Geschreibsel die ersten Bilder unserer Reise begutachten könnt. Liebe Grüße

Die ersten Schritte....

Montag, 10.03.2014

Weise Propheten aus dem Berliner Morgenland sagten einmal:

„Ich sitze auf meinem Stuhl

Und ich schaue aus dem Fenster

Und ich stell mir wieder mal die alten Fragen:

Wo komm ich her, wo geh ich hin und wie viel Zeit

Werd ich noch haben?“

So oder so ähnlich lassen sich unsere Gedanken zusammenfassen. Wir sitzen halt nicht auf einem Stuhl, sondern auf einem unserer Betten. Davon haben wir zwei an der Zahl – eins oben und eins unten. Wir sitzen unten, weil es in der unsagbar gnadenlosen Hitze Melbournes ein scheinbar unüberwindliches Hindernis darstellt, die Leiter hochzuklettern. Außerdem sind wir ja nicht ganz in Form und so. Wir schauen auch nicht aus dem Fenster, sondern auf eins der fünf nicht von uns okkupierten Doppelstockbetten in diesem Zimmer. Wo wir herkommen, wissen wir auch grad noch so. Kommen wir zum Kern der Sache: Wo gehen wir hin? Ja, gute Frage. Keine Ahnung. Später mehr dazu.

Für alle, die zufällig auf unserem Blog gelandet sind: Wir sind die Hanna und der Eric, beheimatet im schönen Sachsenlande und von da vertrieben durch den unaufhörlichen inneren Drang, die Welt zu sehen, zu umarmen und zu retten. Mit dem Sehen wollen wir anfangen. Kurzerhand packten wir also unsere sieben Sachen und eine Packung Trinkmilch und machten uns mit Erics Mama auf den Weg zum Flughafen in Prag. Der jüngere Sohn von Erics Mama, Eric heißt er, fuhr das Gefährt, was in mancher Situation der Tochter seiner Großeltern, also Erics Mama stumpfe Schreie entlockte. In Prag angekommen, fiel der Hanna das erste Problem auf: Der Eric hatte seine Jacke mitsamt Portemonnaie im inzwischen etwa 17 Meter entfernten Auto vergessen. Sie beschloss, das Problem erst einmal auf später zu verschieben. Nach dem tränenreichen Abschied von Erics Mama flogen wir dann also erst einmal nach Frankfurt am Main und waren sehr glücklich, endlich wieder deutsches Netz zu haben. An dieser Stelle konstatieren wir zum ersten Mal: Man braucht länger von der Arbeit nach Hause als von Prag nach Frankfurt. Unmittelbar nach der Landung fiel dem Eric dann auch wirklich auf, dass er seine Jacke nicht dabei hat. Auch seine Mama hatte davon schon Kenntnis genommen. Inzwischen befindet sich die Jacke samt jeglichem wichtigen Inhalt auf dem Weg per Luftpost zum Besitzer. Danke, Erics Mama!

Auch Frankfurt ließen wir hinter uns, sodass wir uns etwa elfeinhalb Stunden später im Landeanflug vor der Küste Singapurs wiederfanden. Einen richtigen Hafen gab es da nicht, soweit wir das gesehen haben. Aber unzählige Schiffe lagen einfach so vor der Küste oder bewegten sich gerade in diese Richtung. Es war ein gar lust‘ges Schauspiel, das sich uns dort darbot. Changi heißt der Flughafen, auf dem wir uns jetzt befanden. Eine Umfrage unter etwas mehr als vier Millionen Teilnehmern hat ergeben, dass es sich bei diesem Flughafen nach Meinung der Befragten um den besten der Welt in allen Belangen handelt. Das unterschreiben wir so nicht ganz. Würde es heißen „der beste Flughafen der Welt in allen Belangen bis auf Steckdosen“ – dann wär das etwas anderes. Aber so ni! Trotzdem hat es sich gelohnt, die Reiseroute über den Changi International Airport zu planen. Das Gepäck kann man gegen eine okaye Gebühr abgeben und dann ganz in Ruhe den Flughafen erkunden, sofern man denn die Zeit dafür hat. Hatten wir. Bestehend aus drei Terminals (in etwa dieser Form: |_| ) wird einem eine Anzahl an kostenlosen und kostenpflichtigen Dingen angeboten, die den Aufenthalt erleichtern sollen: zum Beispiel ein Schmetterlingsraum, ein Orchideengarten, ein Kaktusgarten, diverse Spas, Duschen und Fitnessräume zum Regenerieren. Ein Highlight für uns war der kostenlose Swimmingpool in Karibik-Manier auf dem Dach des Flughafens. Dort schnupperten wir zum ersten Mal die Luft Singapurs und beschlossen, auf dem Rückflug auch Gebrauch von diesem sehr geilen Pool zu machen. Sehr geil. Supergeiler Pool, wirklich.

Siebeneinhalb Stunden später betraten die Hanna und der Eric dann nach einem entspannten Flug in einem Airbus A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, zum ersten Mal in ihrem Leben Australien.

Seitdem sind wir hier, uns geht’s gut, bis bald.

 

Spaß beiseite, Ernst kommt die Treppe hoch. Wir kamen etwa um 7 Uhr morgens an (Ortszeit), was nach so einer langen Reise nicht optimal ist, weil man ja eigentlich schlafen möchte, aber den kompletten Tag noch vor sich hat und sich ja jetzt auch nicht ganz widerstandlos dem Jetlag hingeben möchte, der uns dann aber doch voll erwischt hat. Mit einem sogenannten Sky-Bus fuhren wir erst zum Southern Cross und wurden dann von da mit einem Shuttle zu unserem Hostel gebracht. Linksverkehr, gewöhnungsbedürftig und nichts für schwache Nerven, wenn man so auf der falschen Seite fährt und einem ein LKW entgegenkommt. Hier, also im United Backpackers Hostel in Melbourne, checkten wir dann erst einmal ein und brachten unser Gepäck in den Luggage Room, der schon proppevoll war. Beziehen konnten wir unser Zimmer erst ab 14 Uhr, so hatten wir gezwungenermaßen dann noch etwas Zeit, uns schon etwas in der Gegend umzusehen. Eine seltsame Sache, die uns direkt auffiel, war – und wir konstatieren zum zweiten Mal: Die nennen ihre Sparkasse hier westpac und das Symbol sieht auch anders aus. Wir spazierten also in eine Sparkassen-Filiale und wollten gern ein Konto eröffnen. Der Mensch, mit dem wir zuerst redeten, könnte diesen Blog hier bis zu diesem Punkt (der hier: •) komplett in sechs Sekunden vorlesen. Zwei mal. Dementsprechend viel haben wir auch verstanden. Die Kerninfos kamen aber an. Dann war er plötzlich weg und kam mit einer Kollegin wieder, die uns in ihr Büro bat. Hier verstanden wir dann, dass der Mensch uns wohl noch gesagt hatte, dass er kurz eine Kollegin holt. Die sproch dann in einem angemessenen Tempo (und auch in angemessenen Zeitformen) und war sowieso sehr nett. Also, falls sie das liest: Liebe Grüße an Jade Stables! Um vier Konten reicher verließen wir dann die Sparki und gingen als nächstes das Problem Handy an. Die zwei großen konkurrierenden Anbieter hier sind Telstra und Optus. Wir klapperten also zwei jeweils repräsentative Filialen ab und kamen nach ausgiebigen Vergleichen zu der Erkenntnis, dass Optus für uns besser ist. Jetzt haben wir also eine australische SIM-Karte mit monatlich 250 Freiminuten nach Deutschland. Mit dem Basti können wir kostenlos solange telefonieren, wie wir wollen, weil er auch Optus-Kunde ist. Der Basti ist übrigens ebenfalls ein Dresdner, der das gleiche vorhat wie wir, damit aber schon eher angefangen hat.

Als wir dann endlich ins Hostel einziehen konnten, machten wir das auch. Mit den Roommates, also den Zimmergenossen, hat man überhaupt nichts zu tun. Man sagt nicht mal Hallo oder Tschüss. Naja, oder halt Hello oder Bye. Jeder zieht hier seinen eigenen Stiefel durch. Wir sind in einem Zimmer für 12 Personen, es sind aber 13 Personen drin. Ein belgisches Pärchen teilt sich ein Bett. Die meisten hier sind in unserem Alter (plus/minus 5 Jahre), aber wir haben auch schon einen 60+-Menschen im Zimmer gehabt – diese Exemplare sind jedoch durchaus selten.  An der Decke hängen zwei Ventilatoren, die zumindest das Überleben sichern. Die Luft ist trotzdem wahnsinnig schlecht in diesem Zimmer und macht das Schlafen sehr schwer…

Die ersten Tage haben wir mit Umgebung erkunden, Jobsuche und Jetlaggen verbracht. Wir befinden uns hier im CBD Melbournes, also im Central Business District. Man könnte meinen, dass hier alles verbaut und mit Wolkenkratzern gespickt ist – is nich so. Erstaunlich viele Grünanlagen sind hier zu finden. Fünf Fußminuten von unserem Hostel entfernt fließt der Yarra River, den wir Moomba River nennen. Das hat den einfachen Grund, dass am Fluss diese Woche das Moomba Festival stattfindet. Das ist wohl annual und erstreckt sich über sechs Tage. Von der Struktur her erinnert es stark an einen Rummel. Mit Achterbahn, einzelnen Looping-Überschlag-Kotz-Fahrgeschäften, Schieß- und Losbuden und schlechter, dafür aber lauter Musik. Viele aufstrebende Künstler wollen hier ihren Bekanntheitsgrad erhöhen, indem sie beispielsweise Musik machen, die von Bruno Mars sein könnte – teilweise sehen sie sogar aus wie Bruno Mars. Naja, immer noch besser als Lady Gaga. Direkt auf dem Moomba Yarra River gibt es natürlich auch ein Programm. Von Wasserski-Kunstfahrten bis Ruder-Wettbewerben ist eigentlich alles dabei. Bisher die Attraktion für uns war die sogenannte Birdman Rally. Ziel dabei ist es zu fliegen. Die Teilnehmer bauen sich hier die abstrusesten Konstruktionen und Kostüme, die sie zum Ziel fliegen sollen. Nach eigener Aussage der Veranstalter ist diese Rally zwar wirklich sehr sinnlos, dafür aber lustig. Gigantische Pinguine oder Flugzeuge springen hier von einem schätzungsweise fünf Meter hohen Podest und plumpsen dann vor den Augen der gut 2000 Zuschauer in den Fluss. Die Kostüme zerschellen, die Leute werden gerettet, die Wrackteile der Kostümkonstruktionen werden geborgen und der Flugversuch wird von einer unabhängigen Jury bewertet. Am Schluss wird dann natürlich noch ein Gewinner gekürt. Unterhaltsame Sache also!

Für uns steht heute eventuell und vielleicht der Besuch des höchsten Gebäudes in Melbourne an. Mit 88 Stockwerken ist der Eureka-Sky-Tower über 300 Meter hoch. Man kann zwar hoch, das kostet allerdings umgerechnet etwa 12 Euro pro Person. Oben kann man sich dann noch in einen Glaswürfel setzen, der dann nach außen gefahren wird – die sogenannte Edge Experience, also Randerfahrung. Auch die ist wieder teuer und kostet noch einmal fast 8€. Wir werden uns also wohl darauf beschränken, uns die Hütte mal von unten anzugucken!

An dieser Stelle passt es sehr gut, dass wir ein zweites und für heute letztes Mal konstatieren: „Hotspot offen“ klingt wie „Holzpantoffel“!

 

Mit dieser unanfechtbaren Weisheit möchten wir uns vorerst verabschieden. Wenn ihr das alles bis hierher gelesen habt, dann habt ihr bisher (und das schließt diesen Satz schon mit ein) 1585 Worte gelesen! In diesem Sinn also danke für eure Geduld und bis bald – wir lassen von uns hören. Lasst Kommentare da! :-)